• Stephanie Vonwiller

Alternativen - Begriffe richtig einsetzen – Synonyme

In unglaublich vielen Manuskripten und Büchern finden sich Wörter, die unklug oder gar verkehrt vom Autor verwendet wurden. Woran liegt das?


Häufig an der Tatsache, dass Autoren nicht immer z.B. „gehen“ oder „sagen“ schreiben wollen. Und das ist auch gut so, denn das wird schnell langweilig beim Lesen. Jeder der schreibt, verfügt (hoffentlich) über einen umfangreichen Wortschatz und damit sind keine Fremdwörter, sondern Alternativen gemeint. Das ist so herrlich am Schreiben, es gibt so unglaublich viele Wörter mit wundervollen Bedeutungen. Und alle warten darauf, dass Du sie passend verwendest.


Es gibt verschiedene Angaben, wie viele deutsche Wörter es überhaupt gibt. Das kommt darauf an, was alles mit einberechnet wird. Als Beispiel dient uns der Rechtschreibduden mit rund 135.000 Stichwörtern von denen wir nur einen Teil wissen, dazu kommen Wörter aus dem Fremdwörterbuch oder auch neue Modewörter. Insgesamt verwendet ein Muttersprachler mit höherem Bildungsabschluss rund 15.000, verstehen kann er oder sie, rund 50.000. Damit kann man auch Bücher mit höherem Anspruch lesen und verstehen.

Von Goethe sagt man, dass er 90.000 unterschiedliche Wörter in seinen Schriften verwendete. Zum Vergleich: Shakespeare werden 29.000 nachgesagt. Die Bildzeitung, das sagen böse Zungen, soll mit 4.800 Wörtern auskommen.


Es kommt also nicht nur auf Deinen Wortschatz an, sondern auch auf den Deiner Zielgruppe, für die Du schreibst.

Hier ist zu beachten, dass Du seltenere Wörter so verwendest, dass Deine Leser sie verstehen bzw. Du sie im Text „erklärst“.


Auf der Suche nach einem anderen Wort helfen Dir das Synonymwörterbuch (auch online) oder die Vorschläge in Schreibprogrammen. Eine angenehme und arbeitserleichternde Sache.

Doch auch hier erwarten den Autor einige Fallstricke. Nicht immer passen die Wörter mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung genauso gut wie das eigentliche Wort. Es kommt auch hier immer auf den Zusammenhang an.


Beispiel „gehen“:

Mein Lieblingsbeispiel, weil „gehen“ eben nicht nur für die Fortbewegung verwendet werden kann.

Andere Gruppen sind z.B.:

- Es geht schon. (Die Frage nach dem Wohlbefinden)

- Es geht. (Funktioniert etwas)

- Es geht gleich. (Die Frage, nach der Dauer)

- Er geht nächste Woche. (Wenn jemand kündigt, aufhört)


Da hast Du nun unter Umständen zu viel „gehen“ im Text und die Suche nach einem anderen Wort lohnt sich. Aber passend muss es sein und genau hier liegt das Problem. Gehen wir davon aus, dass Du dich für eine Alternative entschieden hast und die heißt „stapfen“.


Die intelligente, junge Frau stapfte wütend davon.


An was denkst Du? Hast Du noch eine intelligente junge Frau vor Augen oder doch eher eine bockige kleine Göre? Für ein kleines freches Mädchen, mit wilden Zöpfen, passt der Begriff hervorragend. Schauen wir uns kurz die Synonyme zu stapfen an:

Trapsen, stampfen, stiefeln und einige weitere in dieser Art.

Du merkst es schon, es kann durchaus sinnvoll sein, sich die Synonyme zu einem Wort deiner Wahl auch noch anzusehen. Außer dem Wort „stiefeln“, passt vermutlich keines auf eine intelligente, junge Frau. Und dieses auch nur dann, wenn Du als Autor die Person in einem oberflächlichen, arroganten Licht erscheinen lassen möchtest.

Also zurück zum Wort „gehen“ und nach einem anderen Synonym suchen.


Die intelligente, junge Frau lief wütend davon.


Auch die Wörter „rannte“ oder „bewegte sich“ könnten passen. Nicht immer ist es sinnvoll krampfhaft nach einer Alternative zu suchen.


Für „gehen“ findest Du unter https://synonyme.woxikon.de/synonyme/gehen.php 1264 Synonyme.


***


Auch bei anderen Textstellen, also in denen keine Personen vorkommen, kann dies dazu führen, dass der Leser am Ende nicht so fühlt bzw. denkt, wie Du es eigentlich beabsichtigst.

Beispiel:

In der Bibliothek von St. Paul‘s roch es nach alten Büchern.


Auf den ersten Blick ist hier alles in Ordnung. Auf den zweiten Blick jedoch nicht. Überlege Dir, wann Du das Wort „riechen“ sonst noch verwendest. Genau! Es ist ein Wort, das sowohl einen guten, wie auch eher schlechten Geruch beschreiben kann. Nicht alle Leser verbinden automatisch mit Büchern einen guten Geruch. Um sicher zu gehen, dass Deine Leser genau das empfinden (müssen), was Du beabsichtigst, nämlich das alte Bücher gut riechen, brauchst Du ein passenderes Wort.

In der Bibliothek von St. Paul‘s duftete es nach alten Büchern.


Schon besser, aber immer noch nicht perfekt. Denn das Wort „duftet“ wird eher für Blüten, Parfüm oder auch Essen „verbraucht“.

Manchmal kann es ratsam sein, nicht nach dem perfekten Wort zu suchen, sondern den Satz umzuschreiben, damit er das transportieren kann, was Du möchtest.


Unzählige, uralte Bücher, füllten mit pudrig warmen Geruch, der ganz leicht an Vanille erinnerte, die Bibliothek St. Paul’s mit Geschichte und dem Wissen um die Seelen der Vergangenheit.

Hat es funktioniert?


Schreib mir gerne in die Kommentare wie Du diesen Beitrag findest und ob er Dir geholfen hat. Interessieren Dich andere „Probleme“ des Schreibens?





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