• Stephanie Vonwiller

Eine Auseinandersetzung mit der Akzeptanz

Aktualisiert: 23. Okt 2018



Wir sind nicht alle gleich, wollen nicht alle gleich sein. Jeder möchte in seinem kurzen Leben er selbst sein, akzeptiert werden mit seinen Ansichten und Meinungen. Das ist das einzige, was alle Menschen auf der Welt verbindet. Und dabei ist es völlig egal wo sie leben, wie alt sie sind und welchen Status sie innehaben. Den Anspruch zu stellen, akzeptiert zu werden fällt uns leicht. Auch andere zu akzeptieren stellt kein Problem für uns dar – wir setzen uns ein, kämpfen für Rechte und gegen Ungerechtigkeiten. Aber…

…alle akzeptieren können wir nicht.

Unsere Ansichten und Meinungen, bilden sich aus vielen Millionen verschiedenen Lebenspäckchen die wir einsammeln, während wir dem eigenen Tod näher kommen. Unmöglich, dass jeder dieselben Päckchen sammelt – der eine fällt hin, der andere nicht... Andere Sichtweisen sind wichtig, werden von uns geschätzt, aber eben nur so lange sie mit der eigenen kompatibel sind. Sehen wir eine Verbindung im Gegenüber, akzeptieren wir ihn. Dann sehen wir großzügig über „Kleinigkeiten“ hinweg, entschuldigen sie oder passen diese unserem Akzeptanzempfinden an.

Ja, die eigene Akzeptanz hat einen gewissen Spielraum, der uns zwischen nützlich für uns und nicht nützlich, unterscheiden lässt. Bewusst ist uns das meist nicht. Sonst wären wir nicht in der Lage mit anderen Menschen zusammen zu leben. Es bedeutet, das gesamte Leben lang ein Abwägen, ob die Menschen im Umfeld und Bewusstsein noch „passen“ oder nicht.

Wir denken vielleicht:

„Der hat sich aber verändert und nicht zu seinem Vorteil.“ Oft beginnen wir mit diesem oder ähnlichen Gedanken uns von jenen Menschen zu entfernen. Sie liegen nicht mehr in unserem innersten Akzeptanzbereich. Sie rutschen in den äußeren Bereich – der Kontakt wird loser – und nicht selten treiben sie langsam über den Rand unserer Akzeptanz hinaus.

Liebe ich Tiere, werden auch alle fremden Menschen, die sich in irgendeiner Art um Tiere bemühen, meine Zustimmung erhalten. Die wenigsten schauen nach dem Gesamtpaket. Aber wehe es kommt raus, dass so jemand seine Kinder misshandelt …

Als Fan einer Musikrichtung/Band/Sänger/Musiker/Schauspieler usw. entscheidet mein Spielraum vielleicht, dass Drogen und Alkoholexzesse in diesem Umfeld in Ordnung sind. Es handelt sich hier um „Taten“ die wir selbst – wenn meist auch im kleineren Stil – begehen oder begangen haben. Kolumbianische Drogenkartelle lehnen wir aber kategorisch ab. Bin ich ein Befürworter der Menschenrechte, sind mir Tiere vielleicht egal. Bin ich Veganer, verachte ich alle Fleischesser usw.

Menschen werden zu "Gegnern", die meine Ansichten nicht in dem Maß teilen, wie ich es gerne hätte.

Immer und überall sind wir mit unserer Akzeptanz gefordert. Selten ist es uns bewusst und noch seltener handeln wir danach: Mein Nachbar feiert gerne. Ich auch. – Mein Nachbar feiert gerne. Ich nicht. Mein Nachbar liebt Kinder. Ich auch. – Mein Nachbar hasst Kinder. Ich nicht. Ist uns immer bewusst, warum wir empfinden wie wir empfinden? Wissen wir, ob und warum andere Menschen anders empfinden (und handeln) wie sie es tun?


Quelle: Internet

Das Wartezimmer ist voll: „Müssen die alle heute zum Arzt!?“ – Das Wartezimmer ist leer: „Ob der Arzt noch was taugt, wenn hier nichts los ist?“ Je nach dem was uns lieber ist, stellen sich unterschiedliche Gefühle ein. Doch hat das nichts z.B. mit dem Wartezimmer an sich, bzw. mit den Menschen darin zu tun. Es ist unser ureigenes Empfinden. Unsere Erfahrungen versuchen uns zu schützen, ziehen Rückschlüsse und geben Meldung an unser "Bauchgefühl".

Wir sind genervt, ängstlich, erfreut, verärgert, belustigt …

Jetzt geht es dummer Weise allen Menschen so. Völlig egal wo sie herkommen, welche Sprache sie sprechen und welches Bildungsniveau sie haben. Da bekämpfen sich zum Beispiel: Farbige mit Weißen Ausländer mit Einheimischen Ein Präsident mit dem Anderen Wähler mit Politiker Eine Religion mit der Anderen Eine Berufsgruppe mit der Anderen Arme mit Reichen Bildungsferne mit der Bildungselite Kinder mit Erwachsenen Alte mit Jungen Nord mit Süd Eine Partei mit der Anderen Inland mit dem Ausland Linke mit den Rechten Staatsmacht mit der Bevölkerung Aktive mit Nichtaktiven Ehrenamtliche mit Hauptberuflichen Angestellte und Chefs usw. usw. usw.

Alle Beispiele gerne auch in umgekehrter Weise.


Alle Menschen wollen in Harmonie leben, aber kein einziger von uns ist frei von dem Gefühl, „es besser zu Wissen“ wie wir dahin kommen und unser Handeln wird immer und überall dadurch bestimmt. Würde sich etwas ändern, wenn wir üben würden, andere Menschen als Menschen zu sehen, ohne über sie zu richten?

Also auch jene, die nicht unserem Weltbild entsprechen? Würde sich etwas ändern, wenn alle Menschen so handeln würden?

Ich weiß es nicht, aber probieren könnten wir es.

Den Gedanken dieser Grafik fand ich schön und sehr passend.

Wir sind alles Menschen...


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