• Stephanie Vonwiller

Manuskript überarbeiten

Aktualisiert: 23. Okt 2018

Praktische Beispiele, um Deine Texte zu überarbeiten Heute gebe ich Dir praktische Beispiele, um jeden Deiner Texte überarbeiten zu können.

Du hast sicher schon gehört, dass ein Autor sein Handwerk beherrschen soll. Damit ist die Rechtschreibung und Grammatik gemeint, aber das allein macht noch kein gutes Handwerk aus. Damit bist Du erst Geselle. Um ein "Meister" zu werden, braucht es noch einiges mehr. Neben Übung und viel Lesen, ist das die Fähigkeit, Deine Texte auf folgende Punkte hin zu überarbeiten:

- ungewollte Wiederholungen

- Füllwörter

- Verben/Zeitwörter

- Phrasen und Floskeln

- Adjektive/Adverben

- Nominal- und Verbalstil

- Bindewörter/Konjunktionen

- Fremdwörter und Fachausdrücke

- Umgangssprache


Vor allem gehört Geduld dazu. Also, lies bis zum Ende ;-)

Beiträge und Bücher über das Bearbeiten von Schriften gibt es viele. Je mehr Du liest, desto verwirrter bist Du meistens. Woran liegt das? Manchmal an der Unzulänglichkeit der Verfasser und/oder an der Unfähigkeit zu erklären, wie Du dein Manuskript überarbeiten solltest. Da werden „Regeln“ aufgezeigt, mit wenigen, nicht brauchbaren Beispielen. Es gibt noch einen anderen Grund. Zu unterscheiden sind die verschiedenen Arten von Texten. Zum Beispiel zwischen Romanen und Sachtexten. Es kommt auf das Genre an. Für welche Altersgruppe bzw. Zielgruppe geschrieben wurde. Handelt es sich um eine Kriminalgeschichte, SiFi oder spielt es im Mittelalter? Ist es ein Kinderbuch? Wenn Du Dir Bücher aus verschiedenen Bereichen ansiehst, wirst Du viele Unterschiede im Stil finden.

Diese Regel hast Du vielleicht gelesen, da sie so gut wie immer erscheint: So wenig wie möglich Adjektive verwenden.

Das ist Blödsinn. Mit dieser Aussage fängt niemand etwas an. Genauso gut kannst Du einem Kind sagen: „Du darfst rennen, aber nicht so schnell.“ Was verstehen wir denn unter Rennen? Eben! Nicht schnell, würde kein Rennen mehr sein, sondern eher „flinkes gehen“. Wir schauen uns das mit den Adjektiven weiter unten noch genauer an. Ist es demnach nicht möglich, allgemeingültige Regeln über das Überarbeiten von Texten aufzustellen? Doch! Ist es, und gibt es. Aber wenn Du darauf hoffst, mit einem Beitrag oder einem Buch am Ende alles zu wissen, muss ich Dich enttäuschen. Als Autor lernt man sein Schreibleben lang dazu, will dazulernen.

Vielleicht kennst Du diesen Spruch:

Das beste Buch ist jenes, welches der Leser glaubt selbst schreiben zu können.

Hier hast Du auch den Grund, warum viele heute im Stil von z.B. Harry Potter oder Twilight schreiben, aber das Original nie erreichen. Sie sind der Meinung, dass es ausreicht, eine Idee zu Papier zu bringen.

Vermutlich denkst Du so nicht, ansonsten wärst Du mit dem Lesen nicht bis hier gekommen.

Worum geht es hier genau? Keine Sorge! Du erhältst nicht seitenlange Ausführungen über Rechtschreibung und Grammatik. Dafür gibt es mittlerweile Programme bzw. in menschlicher Form, Korrektoren/Lektoren genannt. Das letzte was ich von mir behaupten würde ist, dass meine Bücher perfekt in Rechtschreibung und Grammatik sind. Nicht einmal die, an denen professionelle „Deutsch Genies“ saßen. Zum einen sind Fehler menschlich und zum anderen bist Du als Autor auch Künstler. Im Einzelfall hört es sich besser an, wenn ein Komma mehr im Text ist. Oder weniger. Ein Satz in einer verkehrten Reihenfolge gefällt Dir vielleicht besser, weil er sich schöner lesen lässt oder eine von Dir gewollte Aussage verstärkt. Es besteht also ein Unterschied zwischen bewusstem Brechen der Schreibregeln und Fehlern aus Unwissenheit. Dann gibt es noch die Fehler, die einem auch beim „hundertsten“ Mal durchlesen nicht auffallen.

Wie überarbeite ich Texte? Ich schreibe Texte am Computer, dann überarbeite ich sie dort. Das dauert, weil ich unendlich vieles finde, was mir wichtig zu ändern ist. Anschließend drucke ich alles aus. Korrigiere es nochmal. Und wieder streiche ich jede Menge Stellen an und wundere mich, dass ich sie bisher nicht gesehen habe. Damit ist es jedoch nicht getan. Ich lese mir den Text laut vor und/oder höre ihn mir an (in Schreibprogrammen gibt es diese Funktion). Du vermutest es sicher schon, auch diesmal wird mich der Prozess Tage bis zu Wochen an den Schreibtisch bannen. Jetzt erhalten Testleser das Manuskript, die mir später wertvolle Rückmeldungen geben. In dieser Zeit schaue ich den Text nicht an, mache etwas anderes. Als Letztes korrigiere ich den Text noch mal viele Tage lang am Computer. Bei jeder Überarbeitung schleichen sich weitere Fehler ein. Aber irgendwann muss ich mich zufriedengeben – das ist der schwierigste Punkt, weil die Unsicherheit, nicht genug zu wissen und ausreichend überarbeitet zu haben immer bleibt.

DU solltest Deinen Text lieben! Für Dich sollte er sich stimmig anhören. Das es Menschen geben wird die „meckern“, muss man lernen auszuhalten. Solange es außer Dir ein paar gibt, die das, was Du schreibst gerne lesen, ist das erstmal in Ordnung. Niemand wird als Autor geboren! Es ist ein Prozess, der unendlich weit über das Lernen von Schreiben und Lesen hinausgeht.

Was wirklich stört Wenn Leser Dein Buch in die Ecke werfen oder Du miese Rezensionen erhältst, kann das mehrere Ursachen haben:

a) Neid b) Dummheit c) Kein Humor d) Deutschlehrer oder Lektor

e) Kein Talent f) die Liste lässt sich fortführen ...

Oder aber, es sind folgende Probleme im Text zu finden: 1. Ungewollte Wiederholungen 2. Zu viele Füllwörter wie: also, mal, wohl usw. 3. Verben / Zeitwörter 3.1 Überflüssige oder ungenaue Zeitwörter/Verben (immer, meist, manchmal) 3.2 Zu einfache/schwache Verben (tun, machen, gehen) 3.3 Hilfsverben/Modalverben, für Vergangenheit und Zukunft (könnte, müsste, würde, dürfte, wollte,

möchte) 4. Phrasen und Floskeln wie: „Jetzt knallt‘s gleich“, „Yippie Yah Yei Schweinebacke!“, „Mal unter uns ...“ oder „Ende gut, alles gut“ 5. Ungenaue Adjektive/Adverbien (gut, einfach, super, wichtig) 6. Nominal- und Verbalstil (Belletristik wird im Verbalstil verfasst) 7. Bindewörter/Konjunktionen(und, oder, weil, währendessen) 8. Fremdwörter und Fachausdrücke 9. Umgangssprache

Dies bedeutet nicht, dass Du zum Beispiel alle Füllwörter löschen sollst. DU entscheidest, ob das Wort im Text für die Geschichte wichtig ist oder überflüssig. DU entscheidest, ob es Dir gefällt oder nicht. Das ist sehr viel Arbeit! Jeder Satz, jeder Absatz wird idealerweise überprüft. Die Überarbeitung von Texten ist für Autoren anstrengend und nervig, weil es wenig kreativ ist. Aber es ist notwendig! Also, beiß dich durch.

Fangen wir an Ich habe einen Rohtext als Beispiel geschrieben, der oben genannte „Fehler“ enthält. Versuche ihn nach und nach zu verändern, zu verbessern. Dazu kopierst Du ihn Dir ins Word Programm oder schreibst ihn ab.

Lies ihn Dir nun zuerst einmal durch, bevor Du weiter machst.

Wer war der Mann, der in der Nacht im dunklen Wald, hinter einem Baum stand? Sie überlegte, dass es jemand aus der Unterwelt in die hiesige geschafft haben musste und sie holte vorsichtshalber ihre Pistole raus. Dabei fiel ihr ein, wie es das letzte Mal ausging, als sie mit der glänzenden Pistole auf jemanden losging. Der andere befand sich klar im Nachteil. Letzten Endes war der andere tot und sie musste sich Klamotten klauen, um nicht wie ein Metzger auszusehen. Das war jedoch super relevant. Sie konnte ja nicht in dem Aufzug in die Stadt gehen.

Zu 1. Ungewollte Wiederholungen Wiederholungen bedürfen Deiner Aufmerksamkeit, wenn sie innerhalb von 3-4 Zeilen auftauchen. Sie sind nicht immer leicht zu erkennen. Und nicht immer sollen, oder können sie entfernt oder ausgetauscht werden. Manchmal gibt es keinen anderen, passenderen Begriff. Und nicht immer willst Du den Satz umschreiben usw.

Zu 2. Zu viele Füllwörter Nicht alle Füllwörter sind falsch. Entscheide selbst, welche Deinem Text guttun und welche eher nicht.

Zu 3. Verben / Zeitwörter Verben generell, beschreiben eine Tätigkeit, ein Geschehen oder einen Zustand. Synonyme (sinnverwandte Wörter) helfen zu entscheiden, ob ein anderes Verb den Text besser macht oder nicht.

3.1 Überflüssige oder ungenaue Zeitwörter/Verben

3.2 Zu einfache/schwache Verben

3.3 Hilfsverben/Modalverben, für Vergangenheit und Zukunft

Oftmals wird durch eine kleine Veränderung das Problem behoben. Z.B. von: „Aber Du musst mehr davon nehmen.“ Geändert in: „Nimm mehr davon.“ Die zwanghafte Suche nach einer Alternative, kann einen Text durchaus „verschlimmbessern“.

Zu 4. Phrasen und Floskeln Eine Liste mit 100 Floskeln findest Du hier: https://www.wunderweib.de/100-floskeln-die-wir-im-alltag-verwenden-2085.html Verwende sie sparsam bis überhaupt nicht – denke Dir selbst etwas aus. Sinnvoll können sie in wörtlicher Rede sein, da sie allgemein im Sprachgebrauch sind und der Autor sie als Stilmittel verwenden kann, um dem Leser einen Charakterzug schnell näher zu bringen.

5. Ungenaue Adjektive/Adverbien(Umstandswörter) Wovon reden wir? Worin liegt der Unterschied zwischen einem Adjektiv und einem Adverb?

Ein Adjektiv kannst Du im Satz umstellen und Du kannst es verändern. Es beschreibt Substantive, also Personen und Dinge, und auch Verben näher. Der Mann ist schlau. / Der Mann spricht schlau.

Ein Adverb ist ein Wort, das Umstände genauer erklärt. Du kannst es zusammen mit Adjektiven, Verben und Substantiven verwenden. Es lässt sich nicht verändern. Der Mann dort ist schlau.

Hier findest Du eine Liste mit Adverbien. https://de.wiktionary.org/wiki/Verzeichnis:Deutsch/Adverbien

Ungenaue Wörter sind z.B. gut, einfach, super und wichtig. Aber auch z.B. Wörter wie alt und lieb, drücken unter Umständen zu wage aus, was der Autor meint. Es überrascht dich sicher nicht, dass wir auch hier nicht alle Wörter streichen oder planlos durch andere ersetzen. Adjektive sind deshalb genau zu beachten, da sie mit einem Wort etwas aussagen, dass der Autor eventuell besser beschreiben sollte, um die Sinne des Lesers anzusprechen.

Ein beliebtes Beispiel: „Das Kind isst ein Eis.“ Was hast Du für ein Bild im Kopf? Na? Kind isst halt Eis. „Das Kind schleckt genussvoll sein Eis.“ Na? Erklärung überflüssig, nicht wahr?

6. Nominal- und Verbalstil In der Belletristik wird eher der Verbal- als der Nominalstil benutzt. Der Unterschied besteht darin, dass der Nominalstil vorwiegend für wissenschaftliche Texte und behördliche Schreiben verwendet wird. Formulierungen im Nominalstil lassen einen Satz schwerfällig wirken. Der Satz überwiegt durch Nomen, wirkt spröde und lässt sich schwer verstehen. Im Verbalstil überwiegen Verben und der Satz wirkt lebendig.

Beispiel Verbal: Er erfand zufällig das Rad.

Beispiel Nominal: Seine Erfindung des Rades geschah durch Zufall.

Zu 7. Bindewörter/Konjunktionen Unter dem Link findest Du eine Liste mit Konjunktionen. Warum solltest Du in Deinem Text darauf achten? Bindewörter weisen mitunter auf lange Sätze hin, die sich nicht immer leicht lesen lassen. Und es gibt z.B. „veraltete“ Bindewörter, die in einem modernen Text eher störend wirken. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Konjunktionen_im_Deutschen

Anmerkung dazu: Außer bei „und“ und „oder“ steht vor fast jeder Konjunktion ein Komma.

8. Fremdwörter und Fachausdrücke Fremd- und Fachwörter bremsen den Lesefluss aus. Sie sind nur dann sinnvoll, wenn sie davor, bzw. danach „erklärt“ werden. Wörter, die Dir „normal“ erscheinen, können für die meisten Leser bereits als „Fremdwort“ bzw. „Fachausdruck“ gelten. Wie sollte es anders sein, auch hier gibt es Wörter, die der Mehrheit der Leser bekannt ist, auch wenn sie offiziell als Fremdwörter gelten. Ein „Auge“ darauf zu haben, kann nicht schaden.

Beispiele: Pathologe/Gerichtsmediziner Kognitiv/Denken oder Wahrnehmung Polarisieren/Gegensätze schaffen Dekadent/ausschweifend, verschwenderisch Enorm/in ungewöhnlichem Maß Charme/Anziehungskraft, Ausstrahlung Physisch/körperlich Sympathisch/angenehm, angenehmes Wesen

Zu 9. Umgangssprache Slang, Modewörter, Jugendsprache ...

Formulierungen wie „Alter“ oder „Iss mir wurscht“ nur verwenden, wenn sie zum Stil des Textes passen.

Beispiele wie die folgenden, schleichen sich gerne ein: „Das ist echt peinlich“ oder „Ich schmeiß das weg“ anstelle von, „Das ist sehr peinlich“ und „Ich werfe das weg“.

Grandios und großartig, für etwas was sehr gut ist, sind ebenfalls umgangssprachliche Begriffe. Für jedes Wort gibt es Synonyme. Das können ein paar wenige sein aber auch hunderte. Sie werden in weit mehr als die oben genannten Kategorien unterschieden. So gibt es Begriffe, die veraltet sind (adrett), Dialektwörter wie „schnieke“ oder „urst“ aber auch abwertend wie das Wort „geil“. Nicht zu vergessen Begriffe, die eher gehoben sind (ausnehmend) oder emotional (wundervoll) und einige Kategorien mehr.


Der Text ist überarbeitet. Wie hast Du es gemacht? Bist Du zufrieden?

Ich habe ihn so geändert:


Je nach dem, wen Du fragen wirst, haben die Menschen unterschiedliche Meinungen und Vorlieben. Anders ist nicht automatisch verkehrt, sondern eben nur anders. Setze Dir ein Schlussdatum, an dem Du aufhörst, an Deinem Text zu korrigieren, weil Du ihn sonst nicht oder erst in einigen Jahren veröffentlichen wirst. Wenn Du dein Bestes gegeben hast, werden das auch die Leser bemerken. Generell gilt, für die meisten Fragen zu Deinen Texten, gibt es die Informationen im Internet. Verlasse dich auf „Fachseiten“, wie zum Beispiel Duden oder auf Autorentipps, von denjenigen, die nicht gerade erst ihr erstes Buch im Selbstverlag veröffentlicht haben. Verlasse Dich auch nicht nur auf meine Empfehlung!

Viel Erfolg und ich würde mich freuen, wenn Du mir mitteilst, ob meine Tipps Dir helfen konnten. Willst Du über ein Thema mehr von mir wissen oder hast Du Fragen, kannst Du mir gerne eine Nachricht schicken.







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