• Stephanie Vonwiller

Plot, Plan oder: Wie fange ich an?

Wenn Du ein gutes Werk schreiben willst, brauchst Du einen Plot und einen Plan. Der Plan ist Bestandteil des Plots und ist der Anfang von allem. Jeder braucht einen Plan/Plot und die, die keinen haben, veröffentlichen in aller Regel keine guten Bücher.

Und daran gibt es kein Wenn und Aber. Du kannst mit Talent aus Kübeln überschüttet worden sein, wenn Du das Handwerk nicht beherrschst, wird immer alles unteres Mittelmaß oder schlechter bleiben. Wie in allen anderen Berufen auch.


Was es nicht einfacher macht:

Es gibt nicht DIE Vorgehensweise. Das muss jeder für sich selbst herausfinden. Worin sich jedoch die meisten einig sind: Ohne Struktur vorab, geht es nicht. Einfach schreiben und dann mal schauen wo es hinführt, wird sich am Ende auch so lesen. Und Struktur, bedeutet nicht:

"Ich habe eine Idee im Kopf, wie einen Film im Kino und brauche das nur noch aufzuschreiben."


Also, zuerst steht immer ein Plan, wenn Du etwas gut machen willst. Du schreibst eine Liste, bevor Du für eine Familienfeier zum Einkaufen gehst. Du schreibst Dir vielleicht auch auf, wem Du an Weihnachten etwas schenken möchtest. Du schreibst ein Haushaltsbuch, indem Du Deine Ausgaben vermerkst oder eine Packliste, wenn Du verreisen möchtest. Was auch immer – ohne Plan geht es häufig nicht oder erheblich schlechter. Das eigentliche Schreiben ist das, was Autoren lieben, aber wie bei jedem Job gibt es Aufgaben die erledigt werden müssen, auch wenn wir uns eigentlich lieber davor drücken möchten.


In diesem Blog Beitrag verrate ich euch, wie ich es mache. Dass dürft ihre gerne nachmachen, abändern oder euch bei anderen Schriftstellern ganz andere Methoden abschauen. Meine Intention für diesen Beitrag ist es, denjenigen zu helfen, die sich damit bisher nicht beschäftigt oder die ihre Methode noch nicht gefunden haben.


Wie der Bär auf dem Bild, versuche ich in mein Haus/Kopf/Geschichte zu schauen. Und vom Keller bis zum Dach, betrachte ich mir alles und versuche es so gut wie ich kann zu machen, damit mein Haus/Roman am Ende auch stehen bleibt und nicht in sich zusammenstürzt.


1. Der Plan - kein Plot:

Ich habe da so eine Idee...

Ideen habe ich immer viele, aber irgendwann setzt sich eine davon hartnäckig in meinem Kopf fest. Ich lasse sie da auch arbeiten, denn wenn sich eine Idee nicht in meinem Wirrwarr durchsetzen kann, dann würde mir später der "lange Atem" fehlen, um daraus ein Buch zu schreiben. Irgendwann ist diese Idee so präsent, dass ich sie einfach aufschreiben muss.

Hierfür sitze ich irgendwo mit Notizbuch und Stift rum. Auf dem Sofa, im Grünen, in einem Kaffee oder in der Bahn...


A Roter Faden/Intention

Was ist mein roter Faden im Buch? Was will ich der Welt mitteilen? Du brauchst ein Thema. Eine Intention, die über allem steht. In meinen Romanen geht es übergeordnet immer um Gleichheit/Gerechtigkeit. Das ist in meinen ersten Erzählungen über China so, zieht sich komplett durch meine All Age Roman Trilogie und auch in dem historischen Roman "Die Zifferblattmalerin" ist dies mein Thema.

Der rote Faden ist also wichtig, sonst verlierst Du dich irgendwo zwischen Seite 30 und 330 ;-) .


B Motivation

Hier notiere ich mir, was meine Motivation ist, gerade dieses Buch zu schreiben. Bei der Zifferblattmalerin, war es die Arbeit in den Fabriken mit dem radioaktivem Material und die Tatsache, dass so viele Frauen, so jung starben. Sie wurden aus ihrem Leben, ihren Träumen und Zielen gerissen, für etwas, womit andere berühmt und reich geworden sind. Ich wollte unbedingt, zumindest zweien von ihnen, posthum ein Leben, Persönlichkeit geben. Sie sollten nicht vergessen werden, wie so viele Menschen, die einfach nur ihre Arbeit machen und ihr Leben leben.

Ihr seht also, Intention und Motivation sind nicht gleich.


C Recherche

Wenn Du nicht ohnehin schon seit Wochen oder Monaten neben dem Denken Material gesammelt hast, dann wäre jetzt der richtige Zeitpunkt. Internet, Bücher, Recherchereisen, Dokumentationen - es gibt vielfältige Möglichkeiten. Selbst bei reiner Fantasy oder Science Fiction solltest Du Dir über wesentliche Dinge bewusst sein. Z.B. den Unterschied zwischen Dark-, High-, Low und Urban Fantasy. Oder was Steampunk wirklich aus macht. Aber auch so ist es wichtig sich Gedanken zu machen, für welche Zielgruppe und in welchem Genre deine Geschichte spielen wird. Einfach drauflos schreiben, wird sonst zum Beispiel aus einem eigentlichen Fantasyroman eine New Adult Liebesgeschichte machen.


2. Der Plot - mit Plan:

Der Plot ist das Handlungsgerüst des Buches. Eine komplette, allumfassende Information für den Autor sozusagen. Er ist nicht die Zusammenfassung der Story. Diese ist ein Teil des gesamten Plots. Hierunter fallen natürlich auch die Informationen aus 1. - dem Plan. Ab hier schreibe ich praktisch nur noch am Computer. Mein Schreibprogramm ist Papyrus.


A Worum geht es?

Jetzt notiere ich mir Stichpunkte zur Story aus meinem Kopf. Wer ist meine Hauptperson? Was ist ihr Ziel? Was motiviert sie und welcher Konflikt hindert sie an der Erlangung ihres Zieles?


B Pitch

Ich schreibe ich mir aus meinen Stichpunkten einen Satz auf, mit dem ich jemanden erklären könnte, worum es in meinem Buch geht. Nur einen Satz! Maximal 15 Wörter. Dieser besteht im Prinzip aus der Nennung der Person, einem Konflikt, der Katastrophe, auf die es zuläuft und dem Ziel, welches erreicht werden soll. Diesen Satz zu verfassen, dauert meist etwas. Erst ist er vielleicht mehrere Sätze lang oder besteht aus einem ultralangen Schachtelsatz. Ich passe das immer weiter an, kürze und verändere, bis ich zu 100% zufrieden bin.


Ja, ja, ich weiß. Manchmal steht irgendwo der Pitch könnte auch zwei oder drei Sätze haben. Wozu frage ich Dich? Wenn Du nicht mal in der Lage bist, die Energie aufzubringen, das in einen Satz zu setzen, wie willst Du dann ein komplettes und gutes Buch schreiben?


C Kein Klappentext!

Oft lese ich auch, dass dieser Punkt, also die Erweiterung des Pitches bereits der Klappentext ist. Das ist falsch. Ein Plot ist für dich, nicht für den Leser. Wie ein Klappentext sein sollte, könnt ihr in einem extra Blog Beitrag von mir lesen.

Der Pitch wird hier quasi zu einer Kurzerklärung umgewandelt, die auch in Exposés verwendet wird. Aus diesem Pitch-Satz mache ich also nun einen Absatz von 10-15 Zeilen, ca. 5 Sätze. Dabei behalte ich meinen Konflikt, die Katastrophe und das Ziel im Auge. Der erste Satz kann der Pitch Satz sein oder so ähnlich. Im zweiten beschreibst Du ein Problem, welches von außen kommt. Der Dritte und vierte Satz informieren über eine Entscheidung der Hauptperson und eine Konfliktsituation, die dadurch verursacht wird. Der Letzte Satz enthält das Ende der Story.


D Wer und was macht mit?

Ich schreibe mir alle Personen auf, die in meiner Geschichte vorkommen sollen. Manchmal kommen beim Schreiben später noch welche dazu oder fallen weg ;-) .

Aber jetzt erstelle ich erstmal für die mir bekannten Figuren Biografien. Wie heißt er/sie, wie sieht er/sie aus, welche Schuhgröße usw.? Es geht nicht darum, dies alles später zu verwenden, aber wenn Du gute Charaktere willst, musst Du sie kennen wie dich selber. Gib ihnen Persönlichkeiten und Eigenschaften und pass auf, dass sie sich nicht gleichen und wenn, dass es Sinn macht. Gib jedem Stärken und Schwächen, sonst bleiben sie zweidimensional. Niemand ist nur gut, niemand ist nur schlecht. Haben Deine Charaktere vielleicht bestimmte Lieblingsgegenstände? Eine besondere Handtasche o.ä.? Das geht mit den Charaktersheets im Papyrus sehr gut.

Bei diesem Punkt hier, überlege ich mir auch, welche Orte und Gegenstände für die Geschichte wichtig sind.


Bedenke auch, dass sich vor allem die Hauptcharaktere im Verlauf des Romans entwickeln müssen.


F Was sagen die Charaktere dazu?

Ich versuche mich in meine Hauptcharaktere zu versetzen und schreibe nun je eine Ein-Satz-Zusammenfassung der Story, aus Sicht dieser Figur.

Als nächstes notiere ich mir, was die Motivation und das Ziel dieser Figur ist, also, was die Person im allgemeinen und konkret in meiner Story erreichen möchte. Damit es nicht langweilig wird, braucht es auch einen Konflikt. Wer oder was verhindert, dass diese Person ihr Ziel erreicht?

Diese „Charakterzusammenfassungen“ haben zum Ziel, die Geschichte, um die es im Roman geht, von dem jeweiligen (subjektiven) Standpunkt aus zu erzählen. Diesen, nicht unwesentlichen Punkt verfolge ich selbst erst seit dem zweiten Band meiner Trilogie und ich finde, dass dies ein großer Unterschied ist.


E Zeitstrahl

Ich zeichne mir einen Zeitstrahl, auf dem ich wichtige Ereignisse usw. notiere. Das ist mir wichtig, da sich dies immer mal wieder ändert im Laufe des Schreibens. Damit ich nicht durcheinanderkomme und anpassen kann, hilft mir der Zeitstrahl.


G Zurück zum Anfang

Wisst ihr noch unter C, die Sache mit dem (nicht) Klappentext? Genau! Ich nehme nun diese 5 Sätze und erweitere jeden dieser Sätze um weitere 5 Sätze. Dies ist nun quasi meine Zusammenfassung der Story. Jeder einzelne endet in einer „Katastrophe“, bis auf den letzten, der wieder das Ende der Geschichte enthält.


H Die Spannung steigt

Als nächstes nehme ich mir den Text von G vor, also die ca. 25 Sätze. Daraus schreibe ich nun mit dem Wissen über meine Charaktere ungefähr drei bis vier Seiten Ablauf meiner Geschichte (Handlungszusammenfassung). Wie fängt es an, was passiert dann und wie geht es weiter und was kommt am Ende.


I Die Extraktion

Jetzt erstelle ich mir eine Tabelle mit fünf Spalten. In die erste Spalte kommt die Kapitelüberschrift oder wenn ich sie noch nicht weiß einfach 1., 2., 3. usw. Aus dem Text, den ich unter H erstellt habe, extrahiere ich nun Kapitel und in die einzelnen Kapitel Szenen. Dazu kopiere ich mir Textteile in Spalte 2. Die Spalten 3-5 enthalten in Stichpunkten jeweils das Ziel, die Motivation und den Konflikt/Katastrophe der jeweiligen Szene. Stichwort Spannungsbogen. Am besten wirken Kapitel, die einen ansteigenden Spannungsbogen haben, der zum Ende hin abfällt, ohne sich komplett aufzulösen. Der Leser soll ja einen Grund zum umblättern haben. Bedenke, dass Du mit kleinen "Katastrophen" anfängst und dich von Kapitel zu Kapitel steigerst. Die Katastrophen werden also größer und größer. Der eigentliche Knall kommt erst im vorletzten oder letzten Kapitel.


J Ausbau

Zu jedem Szenentext der Tabelle schreibe ich eine ordentliche Zusammenfassung von ca. einer viertel bis halben Seite, die bereits den jeweiligen Konflikt, Katastrophe und das Ziel, welches ich in dieser Szene anstrebe berücksichtigt. Immer auf das große Ziel aus 1. Der Plan/B Motivation hin.


K Sonst noch was?

Im Plot sollte wirklich alles relevante vermerkt sein. Auch Zeitsprünge und Rückblenden, die Du vielleicht einbauen möchtest. Erzählform und Perspektive, Stil usw.

*****

Das hört sich alles sehr strukturell an und als kreative Menschen wollen wir lieber unserer Fantasie freien Lauf lassen. Wollen die Geschichte, die wir im Kopf haben einfach aufschreiben. Da ich selbst einfach mal so vor 20 Jahren anfing zu schreiben, weiß ich um die Fallstricke und die Fehler die sich daraus ergeben. Zuerst braucht es Klarheit für uns selbst. Auch wenn wir glauben, dass es klar in unserem Kopf ist, so ist es das in Wirklichkeit nämlich nicht. Und mit dieser Ordnung, die wir hier geschaffen haben, können wir nun unserer Fantasie freien Lauf lassen.


Ausnahmetalent:

Aber vielleicht bist Du ein Ausnahmetalent und brauchst das alles nicht. Wenn Du diese vier Fragen aus dem Kopf beantworten kannst, dann vergiss die Struktur und fange an zu schreiben:


1. Was ist deine Intention? Ein Satz!

2. Was hat Dich motiviert? Ein Satz!

3. Erkläre Deine Geschichte in 5! Sätzen mit Motivation des Hauptcharakters, Konflikt und Ziel/Ende.

4. Welche Zielgruppe und welches Genre wird Deine Geschichte bedienen? Und "Nein", es reicht nicht zu sagen, dass es für jeden Interessant wäre und das Genre könntest Du nicht genau sagen, weil Du es unkreativ findest, Dich festzulegen.


Ich wünsche Dir viel Erfolg und hoffe, dass Dir meine persönliche Vorgehensweise auf Deinem Weg eine Hilfe und/oder Anleitung ist. Gerne freue ich mich über Kommentare. Du weißt ja, die beste Bezahlung sind die Rezensionen ;-) .

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