• Stephanie Vonwiller

Rezension - Antiroman RAW von Hank Zerbolesch

Titel/Cover:

Antiroman. Und was heißt RAW eigentlich? Ob hier das englische Wort für „roh“ gemeint ist? Oder vielleicht diese Wrestling Show, in der sich zwei Muskelpakete ordinär und niveaulos anbrüllen und sich dann zum Vergnügen der Zuschauer gegenseitig auf die Bretter knallen?

Das Cover passt perfekt zu einem Antiroman. Die Augen des Männerkopfes auf dem Cover hypnotisieren mich regelrecht, als wollten sie sagen: „Lies das!“.

Ich gehorche.

Aber drehe das Buch erst einmal um.

Klappentext:

Der Inhalt verspricht so schwarz wie das Cover zu werden, und düster. Einen Einblick in die Abgründe der Gesellschaft wird mir versprochen. Halt! Angedroht. Ich lasse mich nicht abhalten und fange mit gemischten Gefühlen an zu lesen.


Schreibstil:

Schnörkelloser Schriftstil, derb, schonungslos und pointiert. Wunderbare Wortspiele wie „Der Wahnsinn streut Metastasen“ oder „Blutsauger in Stöckelschuhen“.


Story:

Über 20 Kurzgeschichten, aus denen ich nicht viel erzählen will, um den Effekt nicht zu verderben.

Aber so viel kann ich verraten: Nichts bleibt im Denken des Lesers, wie es vorher war.

Die Mutter nicht, die zur Täterin wird. Seitdem Täterin und Ofer ist. Dann ist da Holger vom Sozialdienst, der mit dem Tod nichts zu tun hat, weil er ja nicht dabei ist. Thug Life, die Geschichte von Nic und wie man Respekt lernt, war für mich eine der heftigsten, aber richtig schlimm wurde es dann erst in der Fortsetzung „Am Ende siegt das Gute, das kann das Ende nicht sein“.

Ich finde alle Geschichten grandios geschrieben, aber wenn ich wählen müsste, wäre mir die „Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub“, am liebsten. Der Autor schafft es hier mit 5 kleinen Buchseiten zu Emotionalisieren, dass alles Sichtbare nichts bedeutet.

Die 12. Geschichte macht nachdenklich, erzählt vom Gefängnis, eingesperrt in sich selbst und der Autor meint nicht die Insassen.

Über 20 kleine Geschichten, die mit Modou Gaye ihren Anfang nehmen, bei dem man sich ab da an immer fragt, was wohl aus ihm geworden ist. Die letzte Geschichte dreht sich dann glücklicherweise endlich wieder um Modou, der immer noch weiß, dass man nicht gut finden muss, was Menschen tun um sie trotzdem zu verstehen. Und ich bekomme vom Autor doch noch eine Aussicht auf ein Happy End der Gesellschaft. Hoffe ich zumindest.


Fazit:

Meine Vermutungen zum Titel des Buches „RAW“, scheinen wohl beide zuzutreffen. Zumindest ist es für mich so.

Schon mit dem Intro aus Moses Pelhams Album, „Geteiltes Leid I“, hatte mich der Autor. Genau was ich denke, auch wenn meine Gedanken bisher, eher buchstabenlosen Strömungen meines Gehirns, denn wirklichen Worten glichen. Ich empfehle das Buch ausnahmslos. Meiner Ansicht nach, sollten auch Geschichten daraus, als Schullektüre im Unterricht behandelt werden.

7 Ansichten