• Stephanie Vonwiller

Sexarbeit ist keine Arbeit



Überblick und Historie:

Die Hebamme arbeitet im ältesten Gewerbe der Welt – nicht die Prostituierte (Terre des Femmes)

"Es ist nicht einfach, Daten über das Ausmaß des Prostitutionsmarkts zu finden, aber Schätzungen von Havocscope zufolge belaufen sich die Einnahmen aus der Prostitution weltweit auf rund 186 Mrd. USD pro Jahr (Siehe Preisliste unten). In Deutschland schätzt die Gewerkschaft Ver.di, dass sich der nationale Wert auf 14,5 Mrd. EUR jährlich beläuft, während sich die Zahlen in den Niederlanden zwischen 400 Mio. EUR und 600 Mio. EUR bewegen und in Spanien um die 18 Mrd. EUR pro Jahr betragen. Laut einem im Jahr 2012 veröffentlichten Bericht arbeiten weltweit etwa 40–42 Millionen Menschen im Prostitutionsgewerbe, von denen 90 % von einem Zuhälter abhängig sind. 75 % von ihnen sind zwischen 13 und 25 Jahre alt. Der Prostitutionsmarkt ist ein stark globalisiertes und „industrialisiertes“ Phänomen, bei dem Millionen von Frauen und Kindern aus ärmlichen Verhältnissen in der ganzen Welt von kriminellen Ringen gekauft und an Großbordelle verkauft werden, die hunderte Opfer gleichzeitig ausbeuten können . Der Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung gilt als eines der lukrativsten illegalen Geschäfte in Europa – kriminelle Gruppen verdienen pro Jahr etwa 3 Mrd. USD daran. Der Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung schließt Ausbeutung in der Prostitution und in der Pornografie ein (European Parliament)."


Sexarbeit ist ein Begriff, der das Elend der Frauen verharmlost. Ich spreche lieber von Sexsklaverei. Die Gründe für das Vorhandensein von Sexsklaverei sind vielseitig, aber die Auswirkungen immer menschenunwürdig bzw. frauenverachtend. Es ist daher völlig unerheblich, ob es in einigen Ländern legalisiert wurde oder wie in den meisten Ländern illegal bleibt. Trotzdem gibt es natürlich Vorteile der Legalisierung, die aber meines Erachtens die Nachteile nicht aufwiegen nur mildern. Darum soll es in diesem Artikel gehen.


Aber ich will mich vor allem auch übergeordnet mit der Frage beschäftigen, warum es die Sexsklaverei im 21. Jahrhundert überhaupt noch gibt. Neben der üblichen Argumentation wie Armut, Gewalt oder Täuschung, die Frauen in diese Lage bringen, möchte ich speziell die Sicht der Religionen beleuchten, im Besonderen der fünf Weltreligionen, da sie einen Gesamtanteil an der Weltbevölkerung von ca. 84 % bilden.


Der Hinduismus ist die älteste der Religionen (ca. 3.500 Jahre). Danach kommt das Judentum (3.000 Jahre alt), der Buddhismus entstand ca. 500 vor Christus, das Christentum mit Jesus, der als Jude geboren wurde, entstand vor rund 2.000 Jahren, dann der Islam – vor ca. 1.440 Jahren. In allen Religionen wird die Frau als nicht gleichwertig gesehen. Sie hat sich dem Mann unterzuordnen.


Beispiele aus den Religionen

  1. Hinduismus 15,2 %: "Nach Manu ist die Frau schwach, es ist ihre Natur, dass sie die Männer verdirbt. Frauen sollen nicht selbständig handeln, nicht einmal in den eigenen vier Wänden". (Bayerischer Rundfunk).

  2. Judentum ca. 0,2 %: "Die Grundlage der traditionellen jüdischen Sicht zur Stellung der Frauen beruht auf einer patriarchalischen Kultur biblischer und talmudischer Zeiten. Damals wurde die Frau als Eigentum des Mannes angesehen. Ihre Pflicht war es Kinder zu bekommen, sie zu erziehen und ihrem Mann beizustehen". (grin.com)

  3. Buddhismus 5,6 %: "Eine Bhikkuni (buddhistische Nonne) muss immer einem Bhikku Ehrerbietung erweisen, selbst wenn sie schon länger ordiniert oder älter ist. - Wenn eine Bhikuni gegen eine Regel verstößt, muss sie sowohl vor den Bhikhunis als auch vor den Bhikhus bekennen. - Eine Bhikkhuni darf einen Bhikku weder kritisieren noch tadeln. - Eine Bhikkhuni darf vor keiner Bhikkhusgemeinschaft Lehrreden halten". (Uni Frankfurt)

  4. Christentum 31,1 %: "Die Herrschaft der Männer über die Frauen (Patriarchat) wird durch das Christentum maßgeblich ideologisch gestützt. Das Bild der Frau, wie es seit über 2000 Jahren in der Kirche gelehrt wird, ist häufig noch das Bild vom „anderen“ Geschlecht. Nach wie vor gibt es in der katholischen und orthodoxen Kirche keine Priesterweihe für Frauen. Beide Kirchen halten noch stark am traditionellen Frauenbild fes". (dija.de)

  5. Islam 24,5 %: "Der Mann hat den Koran seit circa 1400 Jahren durch eine patriarchalische Brille gelesen und entwickelt. Dadurch sei das Frauenbild sowie das Verhältnis von Mann und Frau patriarchalisch geprägt. Besonders deutlich wird das laut El Omari an der übermäßigen Sexualisierung der Geschlechter. So werde die Frau schnell zum Objekt der Begierde des Mannes abgestempelt, das möglichst verhüllt sein solle". (Dr. Dina El Omari, Islamische Theologie Universität Münster)

Diese fünf Weltreligionen bestehen bis heute und auch ihr heutiges Frauenbild ist weit entfernt von einer gleichberechtigten Sichtweise. Des Weiteren gibt es noch ca. 0,8 % sonstige Religionen und ca. 5,8 % ethnische Religionen. All diese Religionen haben einen immens großen Einfluss auf die Gläubigen generell und Männer (50 %) im speziellen. Sie könnten also als Stachel gesehen werden, die seit Jahrhunderten und Jahrtausenden die Geschichte vom Mann als "oberstes Wesen" aufrechterhalten und damit weiterhin dem Sexhandel Tür und Tor öffnen. Ohne die weiblichen Gläubigen und ihre Dienste, wären die Religionen jedoch nicht überlebensfähig. Das lässt die Überlegung zu, ob Frauen sich sozusagen ihr "eigenes Grab" schaufeln, wenn sie einer der Religionen angehören. Nur ca. 15,6 % der weltweiten Bevölkerung ist konfessionslos. (Data comes from Pew Research Center)


Schon im 5. und 7. Jahrhundert vor Christus, gab es offensichtlich eine blühende Sexindustrie. Glauben wir Pierre Dufour, dann gab es Prostitution schon über 3. Jahrtausende vor Christus, also zu Zeiten des Hinduismus und Judentums. Laut Thomas Junker entstanden religiöse Systeme, in deren Zentrum der Glaube an ein höheres Wesen steht, vor höchstens 10.000 Jahren*. Ob das wahr ist oder was genau davon, wird niemand heute mehr einwandfrei klären können. Fakt ist, dass wir heute weltweit eine Struktur haben, die gerne von der Sexindustrie lebt und wovon wir daher mit Sicherheit sagen können, dass sie frauenfeindlich geprägt ist. Dazu reichen Zahlen und Fakten aus, wie, dass die Sexindustrie an zweiter Stelle nach dem Drogengeschäft kommt, dass in Deutschland ca. 1,2 Million Männer täglich die Dienste von Prostituierten in Anspruch nehmen oder auch, dass 2 - 4 Millionen Frauen, jedes Jahr Opfer von Menschenhandel werden (United Nation).


*Zum Vergleich: Der moderne Mensch ist ca. 350.000 Jahre alt, seine Vorfahren ca. 2,5 Millionen Jahre.

Wie wirkt sich die Legalisierung von Sexarbeit aus?

Sexarbeit bleibt auch dann sozial illegal und Sexsklaverei wenn sie gesetzlich legalisiert wird, weil damit nichts an der Ursache geändert wird, warum Frauen sich prostituieren müssen, allen voran Armut. Legal ist die Prostitution ohnehin nur in sehr wenigen Ländern. "Die Bundesregierung Deutschland gesteht, dass sich viele Prostituierte in einer sozialen und psychischen Situation befinden, in der es fraglich ist, ob sie sich frei und autonom für diese Tätigkeit entscheiden konnten". (Terre des Femmes)


Da ist auch die Schweiz keine Ausnahme, in der bereits seit 1942 Sex ganz legal angeboten werden darf. Bis 2014 war sogar noch Sex mit 16-jährigen legal. Dieses Gewerbe unterliegt denselben Gesetzen wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen. Die Frauen zahlen Steuern und Sozialabgaben. Sie sind krankenversichert, "genießen" den Schutz durch Behörden und können auf ein paar Hilfsangebote zugreifen. Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, dass wir es hier weltweit mit einem riesigen Apparat zu tun haben, der Arbeit und Einkommen für Millionen garantiert. Hotels und Restaurants, Vermittlungsagenturen, Hauseigentümer, Anwälte, Ärzte, Behörden usw. Da aber die Nachfrage nicht von einheimischen Frauen allein gedeckt werden kann, gibt es auch in Ländern wie der Schweiz, die die "Sexarbeit" legalisiert haben, eine illegale Dunkelziffer. Diese Frauen genießen keinerlei Rechte, sind abhängig von Zuhältern und können nicht einmal eine eigene Wohnung mieten.


Neben der Illegalität gibt es jedoch noch weitere Nachteile. "Profiteure der Legalisierung sind Bordellbetreiber und Zuhälter: diese können jetzt nicht mehr wegen Förderung der Prostitution belangt werden. Die Polizei hat nur noch wenig Handhabe, in die Bordelle reinzugehen und Anfangsverdachten von Prostitution Minderjähriger oder Zwangsprostitution nachzugehen. Da vieles um die Prostitution herum entkriminalisiert worden ist, ist Zuhälterei de facto nicht mehr strafbar, nur noch dann, wenn sie als „ausbeuterische Zuhälterei“ mehr als 50% der Einnahmen der Prostituierten kassiert. Prostitution zu legalisieren lohnt sich z. B. auch für Deutschland: bei den offiziell geschätzten 1,2 Millionen Männern, die in Deutschland täglich eine Prostituierte aufsuchen, beläuft sich der Jahresumsatz des Prostitutionsgeschäftes auf 12 bis 15 Milliarden Euro pro Jahr. Der Staat profitiert in Form von Steuern – und wird damit einer Zuhälterfunktion gerecht, denn Steuern werden auch von Zwangsprostituierten kassiert. Bei der Flucht vor einem Zuhälter aus dem Fenster zu springen, wird jetzt als Arbeitsunfall deklariert, eine Statistik über ermordete Frauen in der Prostitution gibt es offiziell nicht mehr, dies sei diskriminierend (Huschkemau)".


Nach einer Studie des Alfred-Weber-Instituts für Wirtschaftswissenschaften (Universität Heidelberg) gibt es sogar eher weniger Menschenhandel in Ländern mit gesetzlichem Prostitutionsverbot. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Zwangsprostitution IMMER mit einem hohen Maß an Gewalt einhergeht.


Laut einer Studie gehen in Thailand 75 % der Männer zu einer Prostituierten, in England sind es 7 % und in Spanien 27 % - 39 %. In Schweden wurde 1999 das Sexkaufverbot eingeführt. Dieses nordische Modell (bis heute kamen Norwegen, Finnland, Island, Frankreich, Irland dazu) bedeutet, dass sich jeder strafbar macht, der Sex kauft. Aber 20 Jahre später lehnen nur 60 % der Männer käuflichen Sex ab (Terre des Femmes). Ob das nordische Modell, insbesondere in Schweden bisher erfolgreich war, ist gerade auch deswegen umstritten. Here is a Articel from Charlotta Holmström and Prof. May-Len Skilbrei.


Welche Hauptgründe tragen zur Verbreitung des weltweiten Sexhandels bei?

Allem voran ist natürlich die Globalisierung eine treibende Kraft. Auf der einen Seite sind da die nachfragestarken Länder bzw. Männer und auf der anderen Seite die Länder, bzw. Männer, die diese Nachfrage bedienen können. Das geht jedoch Hand-in-Hand mit dem Patriarchat, dass in großen Teilen der Erde immer noch vorherrscht. Der zweite, aber nicht weniger gewichtige Grund ist die unendliche Geldgier der involvierten Menschen.

Noch während der Beschäftigung mit diesem Thema, zeigte sich mehr als deutlich, dass eine Gleichberechtigung der Geschlechter die Sexsklaverei praktisch beenden könnte. Da dies jedoch Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte entfernt liegt, gehe ich mit Terre des Femmes, dass wir dringend weltweit auf das nordische Modell umstellen müssten und genügend Ausstiegsprogramme für Prostituierte benötigen. Dazu neue Identitäten für ehemalige Prostituierte zu deren Schutz. Da dies enorme Summen der Staaten verschlingen würde, wäre dann hoffentlich der Steueranreiz des "Sexgeschäfts" nicht mehr ganz so verlockend.


Prices for sex (Quelle: Havocscope):

Afghanistan – $30 to $60

Argentina – $50 at brothel, $300 at club

Australia – $150 for Asian woman, $300 for Caucasian woman

Bangladesh – $0.60

Brazil – $5.50 for 13 year old girl

Brazil – Brothel (Rio) – $60 entry fee at Centaurus

Brazil – Vila Mimosa, Rio – $20

Bulgaria – $25

Canada – Vancouver – $147 on Backpage (User Submitted)

China – Beijing – $100 to $400

China – Dongguan – $160

China – Hotel Spa – $130

China – Shanghai – $650 to $1,600

Colombia – $200 with Virgin Girl

Costa Rica – Brothel – $30 at Brothels (User Submitted)

Denmark – $150 to $200 per hour (User Submitted)

Dubai – $81 to $136 in studio flat

Egypt – $400 for Tourists

France – Apartment in Paris – $207 per client.

France – Cannes – Up to $40,000 a night

Germany – Flat Rate of $65

Greece – $12 to $19 with HIV Positive Girl

Hong Kong – $40 in a one-room brothel to $232 in hostess bar

Hong Kong – 17 y/o minor – $50 to $65

India – $1,000 for virgin, $1 for adult

India – Calcutta Prostitute Earnings – $1.85 per day

India – Delhi – $13.50 to $16.80 for foreign women

India – Online – $573 for two hours

Indonesia – Earnings for Prostitute – $784 to $1,120 per month

Indonesia – Social Media – $70 on Facebook

Iran – Tehran – $50 to $65 for Street Prostitute

Iraq – $100 per session / $200 per night

Ireland – $45 to $129 charged by male prostitutes

Ireland -Limerick – $107 to $133 online, $40 to $66 street price.

Japan – $125 for 60 minutes with a South Korean prostitute

Japan – Minor – $100 for sex with 14-year old

Japan – Tokyo – $118 at brothels

Jordan – $1,000 for Filipino Woman

Kenya – $25 for sex with 12 year old girl

Kenya Border – $11.25 Kenyan Prostitute, $2.00 Ugandan Prostitute

Kurdistan – $150

Kuwait – $700 for 3 hours with escort (User Submitted)

Madagascar – $15 for one session with 15 year-old girl

Maldives – $9.77 for children

Mali – $2

Malaysia – $100 for sex with child

Mexico – $50 per hour with street walker(User Submitted)

Mexico – Male Prostitutes – $40 for 40 minuets

Netherlands – Amsterdam – $68

Nigerian women in Italy – $13 per transaction

Nigerian women in Ivory Coast – $2 per act

Philippines – Subic Bay – $35 at bars

Poland – $30 to 50 per hour

Scotland – Edinburgh – $48

Serbia – $10 to $500, average $60. (User submitted).

Singapore – $25,000 for 3-day tour

Singapore – Minor – $47 to $55

Singapore – Online – $111 to $119 for 90 minutes

South Korea – Jongmyo Park – $19 – $29 for Elder Women

South Korea – Southern Seoul – $117

South Korea – Underage Girl – $275

Suriname – One gram of gold

Switzerland – Union minimum of $100

Syrian Women – $7 at refugee camp

Taiwan – $344 for South Korean Prostitute

Turkey – $500 for VIP service (User Submitted)

Ukraine – $124 to $248 for foreign language speaking prostitute

United Kingdom – London Male Prostitute – $229 per hour

United Kingdom – Street Prostitute – $20

United States – $50 to $100 for street prostitute

United States – High-End Escort in Indianapolis – $500 per hour

United States – High-End Escort in NYC – $10,000 a night

United States – Legal Brothel in Nevada – $200 to $600

United States – Massage Parlor – $200 to $400 for oral sex and intercourse

United States – Massage Parlor Worker Earnings – $8,000 to $10,000

United States – Minnesota – $60 for oral sex with minor found on Backpage

United States – Oregon (Ashland) – $200 to $500 per hour (User Submitted)

United States – Oregon (Portland) – $130

United States – Orlando – $300 to $400 per hour

United States – Pennsylvania Earnings – $20,00 a week

United States – Phoenix, AZ – $1,500 per day for lesbian escorts

United States – Prison Guard – $150 charged by female guards

United States – Santa Ana, CA – Under $100 per act

United States – Silicon Valley – $350 to $500 per hour

United States – Underage Girls – $40 to $100 for 15 to 30 minutes of sex

United States – Washington, DC – $200 an hour